Berliner Medienprojekt will migrantische und muslimische Perspektiven systematisch in den Journalismus einbinden – Auftakt am 24. Februar
In den Straßen des Wedding, in Neukölln, Kreuzberg oder Moabit zeigt sich täglich, wie mehrsprachig und transnational die deutsche Hauptstadt geworden ist. Doch in den Medien bleiben diese Lebensrealitäten oft unsichtbar oder werden auf Krisenberichterstattung reduziert. Das vom Berliner Kultursenat geförderte Projekt Zwischenwelten will das ändern – und setzt dabei auf einen Perspektivwechsel.
„Es geht nicht darum, über Menschen zu berichten, sondern mit ihnen”, sagt Projektleiter Süleyman Bağ. „Wir öffnen journalistische Räume, in denen migrantische und postmigrantische Stimmen selbst erzählen, einordnen und mitgestalten – professionell und auf Augenhöhe.”
Bürgerredakteure statt Stellvertreter-Journalismus
Zwischenwelten ist mehr als ein Integrationsprojekt. Das Kultur-, Medien- und Bildungsvorhaben qualifiziert Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu Bürgerredakteuren, begleitet sie redaktionell und bindet sie in journalistische Produktionsprozesse ein. Ergänzt wird dies durch Diskursformate zu Medienethik und fairer Repräsentation.
Ein zentraler Bestandteil des Projektes ist das Brunnenmagazin, ein lokales Stadtteilmagazin mit starker Verwurzelung im Wedding. Dessen Chefredakteurin Dominique Hensel sieht in dem Projekt eine wichtige Erweiterung der lokalen Berichterstattung: „Lokaler Journalismus lebt davon, dass unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ernst genommen werden“, sagt Hensel. „ZWISCHENWELTEN ermöglicht Beiträge, die nah an den Lebensrealitäten im Kiez sind und gleichzeitig journalistischen Standards entsprechen.“
Neue Narrative für die postmigrantische Gesellschaft
Medienanalysen zeigen seit Jahren: Migrantische Perspektiven sind im deutschen Journalismus unterrepräsentiert. Wenn sie vorkommen, dann oft im Kontext von Konflikten. Zwischenwelten setzt dem ein anderes Modell entgegen – Journalismus nicht als Anpassungsinstrument, sondern als dialogischen Raum gesellschaftlicher Aushandlung.
„Die postmigrantische Stadtgesellschaft braucht Narrative, die von innen heraus entwickelt werden”, so Bağ. „Vielfalt ist keine Herausforderung für den Journalismus – sie ist eine seiner wichtigsten Ressourcen.”
Gegen Polarisierung, für Zugehörigkeit
In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spaltung setzt das Projekt auf journalistische Professionalität und langfristige Kooperationen. Getragen wird es von einem breiten Bündnis aus Medien-, Kultur- und Zivilgesellschaftsakteuren in mehreren Berliner Bezirken.
„Wenn Menschen sich in Medien wiederfinden, entsteht Zugehörigkeit – und damit Verantwortung für das Gemeinsame”, sagt Hensel. Genau darin liege die gesellschaftliche Bedeutung solcher Projekte.
ZWISCHENWELTEN versteht Journalismus damit nicht nur als Berichterstattung, sondern als aktiven Bestandteil einer pluralen Stadtgesellschaft – mitten aus den Zwischenräumen Berlins.
Die Auftaktveranstaltung von Zwischenwelten findet am 24. Februar 2026 statt.
